Donnerstag, 30. Juni 2011

Hört von der Regenbogen-Tour...

...ja, so was war niemals vorher da!


Ich hätte nicht gedacht, dass das RBT-Kleid das beliebteste Kostüm von allen wird.

Ich hätte gehofft, dass die Zuschauer vom "Wein nicht um mich, Argentinien"-Kleid schwärmen. Immerhin hatte ich damit ziemlich viel Arbeit. Jede Evita hat ihr eigenes bekommen. Das Oberteil ist jeweils in mühevoller Handarbeit mit Pailletten bestickt. Es ist einfach "das" Evita-Kleid. Auf jedem Plakat ist nicht nur unsere, sondern jede Evita in dem Kleid aus dieser Szene abgebildet.
So habe ich mich sehr gefreut, als es im Artikel der Giessener Allgemeinen ein "bezauberndes weißes Prinzessinnenkleid" genannt wurde.

Doch es war nicht dieses Kleid, über das am meisten geredet wurde.
Eine meiner Lehrerinnen, die bei der Premiere waren, hat nur überlegt, ob ich das "großflächige" rote Magaldi-Rüschenhemd genäht habe. Ja, habe ich - aber eigentlich hatte ich, obwohl ich daran wegen der Rüschen sehr lange gearbeitet habe, nicht erwartet, dass es so viel Aufmerksamkeit bekommen würde.

Das Kleid, über das am meisten geredet wurde, ist das Regenbogen-Tour-Kleid.
Zugegeben, ich hatte auch damit genug Arbeit. Irgendwie musste ich es schaffen, dass das Kleid über mehrere Größen passend ist und dabei nicht völlig seine Passform verliert.
Schließlich habe ich selbst einen sehr einfachen Schnitt entworfen und eine Schnürung im Rücken eingebaut, mit der das Kleid vor jeder Vorstellung an die jeweilige Evita angepasst wurde.

Dass dieses Kleid so gut ankommt, liegt wahrscheinlich am Tellerrock-Effekt.
Der tritt auf, sobald man einem Mädchen einen Tellerrock anzieht: Kreiselkreiselkreisel, der Rock flattert und fliegt um die Beine. Dabei ist es völlig egal, ob das Mädchen 5 oder 25 ist - das funktioniert immer. :D

Mehrere Zuschauer haben - so hat man mir erzählt - gesagt, sie wollten genau so ein Kleid haben.
Mehrere Leute aus der Musicalgruppe (und eine Evita-Mutter) haben geäußert, das RBT-Kleid sei ihr Favorit unter den Kostümen.

Gerade, weil ich nicht mit dieser Reaktion gerechnet hätte, freue ich mich sehr darüber.

Ich hab zwar in den Ferien noch ein paar Sachen zu tun, aber wenn jemand Interesse an einem eigenen RBT-Kleid hat, können wir da gerne mal drüber reden ;)

Dienstag, 21. Juni 2011

Danke ♥

Danke für ein wundervolles Jahr.

Danke für zahllose Runden Werwolf.
Danke für amüsante Abende in der Casa Loste.
Danke für lustige, ernste, lehrreiche, tiefgehende Gespräche.
Danke für Autofahrten, die nie langweilig waren.
Danke für leisen, lauten, schönen, schiefen, spontanen, mehrstimmigen Gesang.
Danke für Improvisationen mit Zucker, Aliens, Würmern und irgendwie ziemlich vielen Statuen.
Danke für eure Geduld, wenn ich total übermüdet zu viel dummes Zeug rede.
Danke für eure Umarmungen, wenn ich nach einem langen Schultag genervt bin.
Danke für euren Glauben an mich und meine Fähigkeiten. Das tut mir gut.
Danke für eure Ermutigung, wenn ich der Verzweiflung nahe bin.
Danke, dass ihr anzieht, was ich euch sage.
Danke fürs Reißverschluss-Öffnen und Kleid-Zuknöpfen.
Danke für Wegbeschreibungen und Lotsen, wenn ich mein Navi nicht verstehe.
Danke für eure Hilfe, wenn ich sie brauche.
Danke für euer Verständnis, wenn ich auch mal kurz meine Ruhe brauche.

Danke für die Zeit, die ich mit euch verbringen durfte.
Danke für euren Einsatz.
Danke für eure Freundschaft.
Danke für alle Erfahrungen, die ich in diesem Jahr sammeln durfte.
Danke für alles, was mir geholfen hat, reifer und selbstbewusster zu werden.
Danke, dass ich sein darf, wie ich bin.
Danke, dass ich so viel lernen konnte.

Danke für ein wundervolles Jahr mit euch. ♥

Freitag, 3. Juni 2011

Wach auf, Argentinien!

Wach auf, Wetzlar!
Wach auf, Augsburg!

Dieser Artikel war heute in der WNZ.
Und dieser in der Gießener Allgemeinen.
Wenn man die liest, fühlt man sich zugegebendermaßen ganz schön gut, wenn man seinen Teil zu dieser Vorstellung beigetragen hat.

Wir haben seit Anfang des Schuljahres auf diese Premiere hingearbeitet. Wir haben die Lieder geprobt. Wir haben die Szenen gestellt und zum Teil sehr kurzfristig noch einmal geändert. Ich habe einige Kostüme genäht und bin zum Teil wochenlang Leuten aus dem Ensemble hinterhergelaufen, bis sie Kostüme hatten.
Die 40 Darsteller mussten geschminkt und frisiert werden.
Das letzte zerknitterte Hemd wurden am Tag der Premiere gebügelt und Krawatten wurden gebunden (besonders große Herausforderung ;)).



Eigentlich war ich erst mal gar nicht so aufgeregt.
Ich habe am Dienstag zuerst dem Petticoat für das Regenbogen-Tour-Kleid einen Gummibund verpasst. Dann habe ich meine Sachen eingepackt - Essen, Trinken, Kontaktlinsen, den Petticoat, eine schwarze Bluse usw. - und bin mit dem Zug nach Wetzlar gefahren.
In der Stadthalle angekommen, habe ich meine Sachen an meinem Platz angeladen und den Petticoat mit Sicherheitsnadeln im RBT-Kleid befestigt, da sich in den Proben gezeigt hat, dass in der Szene zu wenig Zeit ist, beides nacheinander anzuziehen.
Dann bin ich sofort in die Maske, um mich schminken und später frisieren zu lassen.
Und irgendwie bin ich dann den ganzen Tag herumgelaufen und war relativ beschäftigt.
Irgendwie sogar so beschäftigt, dass ich meine versprochene Massage vergessen habe, die eigentlich echt nötig gewesen wäre...
Und dann standen wir alle zusammen zum Einschreien in der Männerumkleide. Links Annas Hand in meiner, rechts Michas - und dann ging es los. Auf einmal fing mein Herz an, schneller zu schlagen und ich wurde richtig aufgeregt.
Nach dem Einschreien und Einsingen ging es dann auch schon los: Alle auf die Bühne!
Wir sitzen im Kino und sehen einen Film mit Evita - und dann erfahren wir, dass sie gestorben ist.

Kaum, dass der Vorhang aufgeht, ist alles vergessen: die Müdigkeit, die blauen Flecken, der verspannte Rücken, die schmerzenden Füße, die Splitter in meinem Arm.
Ich bin nicht mehr Johanna, ich bin eine Argentinierin, die erst im Kino sitzt und dann von einem ganz schön bösen Geheimpolizisten niedergeschlagen wird, wobei ich meinen Hut und einen meiner Schuhe verliere.
Nachdem wir alle mit einem "Salve regina" wieder auferstanden sind, erscheint Evita, unser aller Idol: Und sie strahlt und ist einfach nur wunderschön.

Danach habe ich erst mal eine Weile nichts zu tun.
In den Katakomben der Stadthalle helfe ich Phil beim Anlegen seiner Fliege und knote seinen gerissenen Schnürsenkel zusammen, damit er als Portier in Buenos Aires die 15-jährige Eva empfangen kann. Dann kann ich mich selbst in aller Ruhe in mein Adelskostüm werfen und mich mit meinem tollen Sonnenschirm für meine nächste Szene bereitmachen.
Schließlich trete ich in der vorletzten Szene des ersten Aktes zusammen mit den anderen sieben Adeligen, sieben Offizieren und Che wieder auf die Bühne.
"FORT mit diesem Weib!"
Im Anschluss habe ich ein ganz kleines bisschen Zeit, mich komplett umzuziehen und wieder in einer völlig anderen Rolle auf die Bühne zu kommen für das umwerfende Finale des ersten Aktes:
WACH AUF, ARGENTINIEN!
Noch wenige Tage vorher fand ich dieses Lied nicht so umwerfend. Beim Marschieren wollte trotz aller Bemühungen keine wirkliche Spannung aufkommen (ich war zu sehr damit beschäftigt, den richtigen Arm zum Bein mitzunehmen). Jetzt dürfen wir uns die Seele aus dem Leib schreien und sind mit allen Sinnen dabei, wenn wir ein neues Argentinien, Investitionen des Staates auf dem Arbeitsmarkt usw. fordern. Es macht so Spaß, mit dem gesamten Ensemble auf der Bühne zu stehen und einfach zu rocken! Und unseren verdammt hohen Sopran 1 zu singen :D

In der Pause muss ich dann erst mal meinen Sonnenschirm unter einer Tür herausziehen. Irgendjemand hat mit Gewalt die Tür aufgemacht und dabei den Schirm darunter eingeklemmt. Dann ging die Tür nicht weiter auf und derjenige war verschwunden. Na toll, danke -.- Aber glücklicherweise konnte ich den Schirm, den immerhin meine Oma in Handarbeit selbstgemacht hat, unversehrt retten.

Immerhin muss ich mich in der Pause nicht umziehen. Ich kann etwas trinken (was dringend nötig war) und glücklich Martins Urteil hören: "Der erste Akt war eine 2+". Das motiviert und macht Lust auf den zweiten Akt.


Der beginnt mit dem bekanntesten Lied des Musicals: "Wein nicht um mich, Argentinien".
Eine anstrengende Szene, in der wir als Ensemble fast nur im Dunkeln hinter dem Geschehen stehen. Wir singen zuerst "Perón! Perón! Perón!" und wechseln dann zu "Evita! Evita! Evita!". Wenn Evita dann erscheint, schweigen wir bis auf ein kurzes Summen. Knapp 8 Minuten einfach nur stehen. Das ist hart. Und es wird erst mal nicht leichter: Mit "Evita Perón! La santa Peronista!" beginnen wir, auf sie zuzukriechen, was, wenn man einen Rock trägt, nicht ganz einfach ist. Wie eine Menschenwoge oder ein Kleid aus Menschen schmiegen wir uns um Evita.
Die nächste Ensembleszene (die diesmal nicht ganz so lange auf sich warten lässt wie im ersten Akt) ist die Regenbogentour. Wir stehen hinter einem roten Absperrseil und empfangen Evita in Spanien jubelnd. In Italien bin ich dann schon gelangweilt, stehe mit einigen anderen Mädchen am Rand und unterhalte mich mit ihnen über unsere Kleider und Accessoires. Doch dann ruft ein Attentäter: "Hure!" und unsere Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf das Geschehen in der Mitte. Der Attentäter wird durch die Menge gestoßen und ich schleppe ihn heraus.
Hinter der Bühne verwandeln sich der Attentäter und ich in kürzester Zeit in adelige Damen. Wir laufen hinter der Bühne auf die andere Bühnenseite, damit wir zum nächsten Lied aufgehen können.
"Diese Frau ist ein Skandal" singen wir, während wir tanzen. Im Augenwinkel sehe ich, wie Anna, unsere Evita, den Tellerrock des RBT-Kleides herumwirbelt. Sie schiebt uns wie Spielfiguren an den Platz, wo sie uns haben will und dort stehen wir mit erhobener Hand, bis das nächste Lied anfängt. Wir werden unseres Geldes entledigt, damit die "Spendengelder fließen" können. Beleidigt gehen wir ab und haben wieder extrem wenig Zeit, uns von Adeligen in Evita-Anhänger zu verwandeln, wenn wir als Frauenchor auftreten und "Santa Evita" singen. Die Männer müssen sich nicht so sehr hetzen und können sich nützlich machen, indem sie uns die Kleider aufmachen.

Dann beginnt Evita zu sterben.
Und obwohl wir Anfang des Jahres alle dachten, wir wären froh, wenn diese Frau endlich tot ist, geht es zumindest mir so, dass ich eher traurig als schadenfroh bin. Irgendwie ist unsere Evita deutlich sympatischer als die Evita im Film.


Evita ist tot. Das Musical ist vorbei.
Das Ensemble verbeugt sich, dann die Tanzgruppe, die Adeligen, die Offiziere, Magaldi und Mistress, Che und Perón und schließlich Evita. Requisite, Technik, Orchester, Kreativteam (wobei ich als Kostümchefin auch noch mal mit darf) und das Orgateam. Ich und wahrscheinlich auch alle anderen können nicht anders als zu strahlen. Es war einfach toll!
Dann dürfen wir noch einmal "Wach auf, Argentinien" als Zugabe singen. Ist nicht ganz so cool wie "Einer für alle" mit gekreuzten Rosen - aber fast. :D


Nachdem der Adrenalinrausch etwas abgeebbt ist, spüre ich wieder die Anstrengungen der letzten Tage. Die schweren Beine, die blauen Flecken, den verspannten Rücken.
Trotzdem bin ich noch zwei Tage aufgedreht und hundemüde zugleich :D


Ich freue mich auf alle weiteren Vorstellungen mit dieser tollen Truppe.

Wach auf, Argentinien!

Donnerstag, 26. Mai 2011

Eigentlich...


...hätte die Zwischenprüfung kein Problem sein sollen.
...sollte ich jetzt das Walzerkleid, das letzte zur Premiere noch fehlende Kostüm in meiner direkten Verantwortung, wenigstens zuschneiden.
...müssten noch diverse Kleinigkeiten an Kostümen gemacht werden.
...sollte ich dringend mal mein Zimmer, mein Nähzimmer und meinen Krempel im Esszimmer aufräumen und saubermachen.
...sollte ich viel öfter singen üben, damit ich bei der nächsten Gesangsstunde nicht wieder herumdrucksen muss.
...sage ich seit letztem Jahr um diese Zeit, dass ich dringend mal zum Frisör müsste.
...werden die letzten Tage vor der Premiere von "EVITA" extrem anstrengend.



Uneigentlich...

...ärgere ich mich fürchterlich, dass ich diesen einfachen Rock nicht fertig bekommen habe. Meine Klassenkameradinnen waren der Meinung, dass "die normale Johanna" schon lange fertig gewesen wäre - man habe mir aber angesehen, dass ich mit den Gedanken ganz woanders war. Das hat man nun davon, wenn einem das Musical wichtiger ist als fast alles andere und man es noch nicht mal in der Zwischenprüfung schafft, nicht daran zu denken.
...will ich nach diesem äußerst unerfreulichen Tag erst mal keine Nähmaschine oder Ähnliches sehen.
...werde ich vielleicht etwas davon gleich noch machen, damit ich heute wenigstens ein Erfolgserlebnis habe.
...habe ich nach einem Schultag und meistens noch Nähen fürs Musical schlicht keine Lust dazu.
...habe ich dafür noch nicht mal eine Entschuldigung als die, dass ich es vergesse.
...hänge ich zu sehr an meinen Haaren - obwohl die Spitzen wirklich sehr dünn und kaputt sind...
...werden die Tage im Rosengärtchen trotz aller Szenen, die noch mal anders (oder überhaupt mal) gestellt werden, aller Menschen, die ihren Text noch nicht können oder ihr Kostüm verschlampt haben oder ihren Schmuck verloren haben oder was sonst noch so alles passieren kann, einfach nur toll! Black Stories, Sonnenbrand, Döner, Eis und einfach eine wundervolle Zeit mit wundervollen Menschen.
Was würde ich nur ohne euch tun?


Und damit mal wieder ein Bild in einem Post ist und weil es auch irgendwie passt, hier noch ein Bild, das ich in Magdeburg gemacht habe:


Leider wurde der Schriftzug wieder übermalt :(

Sonntag, 15. Mai 2011

Sex 'n' Drugs 'n' Musical

Sex.
Was wäre ein Musical ohne die obligatorischen "Mädchen der Nacht"?

Drugs.
JH7. Schön blutrot und leuchtend.

Musical.
Mit wirklich tollen Sängern, Kostümen und Bühnenbild.




Ich war am 1. Mai im Theater. Genauer gesagt: im Opernhaus (klingt gleich viel edler).
Jekyll und Hyde.
Erste Reihe.
Mit Schülerermäßigung für 26,55€.

Im Anschluss - ich wollte mich mal als Autogrammjäger versuchen - sind Yngve Gasoy-Romdal und die wunderhübsche Leah Delos Santos Hand in Hand an mir und einigen anderen vorbeigelaufen: "Wir müssen einen Zug kriegen, in zehn Minüten!"
Also wars leider nichts mit Autogrammen für mich und Jennie...



Aber von vorne:
Ich sitze also im Opernhaus und ziehe die Füße ein, damit ein paar Kinder samt Eltern in den Orchestergraben gucken können. Auch hier werden übrigens Schlagzeuger hinter Plexiglas-Wänden eingesperrt.

Dann beginnt das Musical mit einem Donnerschlag.
Dr. Jekyll betritt die Bühne und das erste, was ich denke, ist: "Der ist ganz schön klein..." :D (obwohl er mit 1,80m eigentlich gar nicht klein ist)
Das macht aber gar nichts, denn Yngve Gasoy-Romdal hat eine große Stimme und eine wahnsinnige Präsenz.

A propos Wahnsinn:
Die Verwandlung ist ge-ni-al.
Der einzige optische Unterschied zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde besteht darin, dass die Haare beim einen glatt und beim anderen unordentlich sind.
Trotzdem weiß man immer sehr schnell, mit wem man es zu tun hat. Jekyll ist der höfliche, wohlerzogene, eher zurückhaltende Gentleman. Das "Schlimmste" ist eine kleine Knutscherei mit seiner Bühnen-Verlobten und Real-Life-Lebenspartnerin Leah Delos Santos (die übrigens völlig zu Recht die "Schöne" in der Magdeburger Inszenierung von Disneys "Die Schöne und das Biest" spielen wird, neben Gasoy-Romdal als Biest).
Hyde dagegen ist animalisch, wolllüstig, grob. "Lassen wir die Feinheiten und kommen wir zum Kern der Sache."
Auch die Konfrontation kurz vor Schluss ist super gespielt und gesungen. Man nimmt Gasoy-Romdal diesen Kampf absolut ab. Nur die Lichttechnik hatte es leider nicht drauf und hat das Licht meistens verzögert umgeschaltet.


Das Bühnenbild besteht aus schräg nach oben zusammenlaufenden Häuserfassaden mit einer Brücke, die hoch und runter gelassen werden kann.
Dazu kommt ein Grabstein, der in der ersten und letzten Szene (dann um den Namen und das Todesjahr Dr. Jekylls erweitert) auftaucht.
Ein Labor mit vielen extrem chemikalisch aussehenden Requisiten.
Eine Bücherregal-Wand mit einer zum Labor führenden Tür. Diese Wand, die von oben herunter gelassen wird, ist manchmal ein bisschen instabil, was von Jekylls Butler Proops ganz wundervoll überspielt wird. Ich musste sehr grinsen :D
Es gibt einen roten Vorhang und Kronleuchter für die Szenen in Sir Danvers Carews Haus.
Die aufwändigsten Aufbauten gibt es aber in der Roten Ratte. Da gibt es einen in den Bühnenboden eingelassenen Pool, eine Rückwand mit einem erotischen Bild (was erwaret man auch in einem Bordell) und reichlich Tischen und Stühlen mit grünen Knicklicht-Drinks.


Natürlich wird es heiß, wenn Lucy auftritt. Die Mädchen in lila Corsagen und quasi nicht existenten schwarzen Spitzenröckchen, ein paar durchaus nett anzusehende junge Herren mit aufgemalten Tattoos in weiten, goldgemusterten, lila/pink/bordeauxfarbenen Hosen.
Während "Gefährliches Spiel" ist Lucy dann auch mal barbusig. Hätte vielleicht nicht unbedingt sein müssen (es waren Kinder anwesend), hat aber natürlich zur Geschichte gepasst.


Es wird sehr blutig gemordet.
Der Bischof, der am Ende des ersten Aktes zuerst stirbt, kommt in die Rote Ratte und lässt sich von einem der gut aussehenden jungen Herren massieren. Hyde taucht auf und sticht dem Bischof erst mal in ... empfindliche Körperteile, bevor er ihn in den Pool wirft und per knallendem Stromschlag ermordet.

Einem Mann wird der Kopf mit einem Spaten abgetrennt und dann ein Kopf herumgeworfen.

Ein weiterer wird effektvoll vor einen Zug gestoßen.

Mr. Stride bekommt relativ schlicht den Hals aufgeschlitzt.

Lady Beaconsfield bekommt ihr Geschmeide in den Hals gestopft und anschließend den Bauch aufgeschlitzt. "Eine milde Gabe von der Lady!" Das (sehr asiatische) Unterschicht-Ensemble greift sich daraufhin blutige Schmuckstücke und Gedärme. Sehr widerlich. Aber passend.

Lucy wird im Pool ertränkt.

Falls sonst noch jemand (abgesehen von Jekyll/Hyde) stirbt, habe ich es vergessen. Aber an sich würde das ja auch reichen.



Insgesamt habe ich an diesem Nachmittag eine stimmige Inszenierung mit tollen Darstellern erlebt. Absolut zu empfehlen!
(Und wenn ich diesen Bericht nicht zwei Wochen nach der Vorstellung geschrieben hätte, wären vielleicht auch noch ein paar mehr Details drin ;))

Dienstag, 10. Mai 2011

Zu viel Zeit zum Nachdenken

Mir ist aufgefallen, dass ich hier überhaupt nicht mit Heimweh zu kämpfen hatte.
Am Anfang meines FSJ, als ich immer nur zwei Wochen weg von zu Hause war, ging es mir manchmal echt schlecht.
Ich vermute, dass das daran liegt, dass ich die vergleichsweise kurze Zeit vor Augen habe. Und eben schon mal fast ein Jahr (mit Wochenend-Unterbrechungen) von zu Hause weg war.


Interessanterweise tut mein rechter Zeigefinger weh - obwohl ich die Nadel eigentlich meistens mit dem Mittelfinger durch den Stoff schiebe...


Es kann so richtig scheiße sein, etwas Schönes zu träumen.
Es ist einfach wundervoll - und dann wacht man auf und weiß genau, dass das niemals passieren wird...
Autsch.


Egal, wie wach ich morgens bin (was in der Regel nicht in gesteigertem Maße der Fall ist): Nach einer halben Stunde in der Straßenbahn bin ich wieder hundemüde.


Ich freue mich schon darauf, beim Musical für die Vorstellungen geschminkt und frisiert zu werden.


Während ich zu Hause fast ausschließlich an die Kostüme denke, die ich noch nähen muss und die, die nach Monaten des Jede-Woche-wieder-Fragens immer noch fehlen, hatte ich hier die Gelegenheit, in Ruhe über meine eigenen Kostüme nachzudenken und mir zu überlegen, welche Accessoires ich zu den jeweiligen Kleidern haben möchte. Ich habe mir einen Plan für die einzelnen Szenen gemacht und, soweit ich es schon weiß, eingetragen, welches Kostüm ich wann tragen werde. Ich habe aufgelistet, welche Teile noch fehlen und was zu Hause wo ist. Am Freitag abend werde ich, wenn ich daheim angekommen bin, durchs ganze Haus laufen und alle Sachen zusammensuchen, damit ich am Samstag morgen gut gerüstet zur Bühnen-Orchester-Probe fahren kann.


Ich habe dieses Jahr viel verpasst. Ich konnte weder bei den Durchlaufproben sein noch heute abend bei der Sitzprobe.
Aber es ist nicht nur das, was mir fehlt. Mir fehlt die Zeit mit meinen Freunden. Die Tage mit Singen, Sonne, Black Stories, zu viel Fast Food und einer Menge Spaß trotz einer Menge Arbeit.
Aber ab Samstag bin ich wieder dabei :)


Die Band ist mir unheimlich wichtig und es macht mir wahnsinnig Spaß, im Gottesdienst zu singen, besonders, wenn so schöne Lieder ausgesucht wurden wie für den BU-Abschluss.
Ich musste schweren Herzens fürs Singen am 29. Mai absagen, obwohl ich überlegt habe, ob es nicht trotzdem geht. Aber zwei Tage vor der Premiere von EVITA geht das einfach beim besten Willen nicht, erst recht nicht, wenn ich wegen Musical-Proben nicht zu den meisten Band-Proben kommen könnte. Und die Zeit, in der ich nicht fürs Musical probe, werde ich brauchen, um fürs Musical zu nähen...

Sonntag, 8. Mai 2011

Über Magdeburg, mich und Straßenbahnen

Jetzt bin ich schon drei Wochen hier in Magdeburg und weil ich ab nächster Woche keine Zeit mehr dafür habe, ziehe ich jetzt schon mal ein Fazit.


Ich bin in der Lage, allein zu wohnen. Ich verhungere nicht (ich esse sogar Gemüse), stehe auch allein (fast) pünktlich auf und gehe sogar sparsam mit dem mir zur Verfügung stehenden Geld um. Das ist sehr gut zu wissen, da ich höchstwahrscheinlich nach der Ausbildung zu Hause ausziehen und allein wohnen werde, ohne dabei allzu viel Geld zu verdienen. Hotel Mama ist natürlich trotzdem nicht zu verachten ;)

Ich kann in einer vergleichsweise großen Stadt leben - und gerade solche Sachen wie Straßenbahnen, die alle 10 Minuten fahren, machen das Ganze ziemlich bequem. (Ich habe übrigens gelernt, dass "Straßenbahn" und "S-Bahn" nicht das selbe ist. Was der Unterschied ist, weiß ich allerdings auch nicht)
Aber ich bin doch ein Dorfkind. So wirklich wohl fühle ich mich zwischen all den mindestens vierstöckigen, direkt aneinander gebauten Häusern nicht.

Es war die absolut richtige Entscheidung, diese Ausbildung zu machen.
Zwar war das Praktikum bis jetzt, wo ich größtenteils Druckknöpfe angenäht habe, nicht gerade besonders fordernd für mich (was übrigens auch alle anderen in der Werkstatt bedauern - aber was muss, das muss! Nächste Woche ist Premiere und da müssen die Kleider natürlich fertig sein), aber ich habe einiges gesehen und mitbekommen und allein, dass ich jeden Tag mit dem Wissen meinen Arbeitsplatz verlasse, dass ich etwas geschafft habe, ist äußerst befriedigend. Aber ich weiß auch: Ich will da nicht stehenbleiben. Ich will nicht mein Leben lang zugeschnittene Stoffstücke zum Zusammennähen vorgesetzt bekommen.
Ich kann mehr.
Ich will mehr.
Ich will die sein, die sich große Roben und schlichte Kleider ausdenkt. Ich will die sein, die die Kostüme plant. Ich will die sein, die sich ausdenkt, wie man ein Kostüm für einen Schrank baut.
Ich habe also zwei Möglichkeiten, was ich nach Abschluss der Ausbildung machen kann:
  • entweder beginne ich ein Studium "(Bühnen- und) Kostümbild"/"Kostümdesign", das 3-4 Jahre bis zum Bachelor und noch mal 1-2 Jahre bis zum Master dauern kann
  • oder ich mache eine Weiterbildung zur Gewandmeisterin, die zwei Jahre vollschulisch durchgeführt wird und für die ich mindestens ein Jahr Berufserfahrung am Theater mitbringen oder während der Weiterbildungszeit erwerben muss.
Mit der Entscheidung für eine der beiden Möglichkeiten (wobei die zweite sicherheitshalber nicht völlig abgehakt werden sollte) sowie der Information über Bewerbungsfristen und -verfahren werde ich einen Teil meiner Sommerferien verbringen. Und im Prinzip sollte ich spätestens in den Herbstferien damit fertig werden (das wird sowieso nichts, aber ich kanns mir ja zumindest mal vornehmen^^). Gerade, wenn es sich um Mappen mit 20-30 künstlerischen Arbeiten handelt, bei denen ich noch keine Ahnung habe, woher ich die nehmen soll...
Denn danach geht es wieder los: Ein neues Musical mit neuen Kostümen, die geplant, entworfen, mit der Regie abgesprochen, besorgt und genäht werden wollen. Eine neue Modenschau, bei der wir als drittes Lehrjahr uns natürlich besonders hervortun möchten. Und wenn sich die Mehrheit der Klasse für ein Überraschungsbild einsetzt (was ich, so cool das auch ist, mit Blick auf meine Zeit und mein Konto eher schlecht fände), wären es dann sogar drei Bilder und damit drei Outfits mit den dazugehörigen Choreografien.
Dazu kommt der wichtigste Teil meiner Ausbildung: die Gesellenprüfung, die vermutlich ungünstigerweise in der gleichen Zeit stattfinden wird wie eins der wichtigsten Dinge in meinem Privatleben: die Hauptproben und die Premiere des Musicals.

Beides ist für mich extrem wichtig.
Die Prüfung, weil sie meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt mitbestimmt.
Das Musical, weil es wahrscheinlich zu meinem Leidwesen das letzte mit dieser wundervollen Gruppe sein wird, die in den letzten zwei Jahren ein sehr wichtiger Teil meines Lebens geworden ist.


Wer diesen Beitrag bis hierher gelesen hat, scheint sich tatsächlich ein bisschen für mich und meinen Werdegang zu interessieren.
Wie immer freue ich mich über eure Kommentare, Zusprüche, Hilfe und Gebete.
Danke, dass ihr an meinem Leben teilnehmt!